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Qualitative Kreditanalyse bei europäischen Hochzinsanleihen

Ratingagenturen nutzen für Ihre Bonitätseinstufung von Unternehmen als wesentlichen Input die letzten drei Jahresabschlüsse sowie die aktuellen Quartalsberichte und nehmen insbesondere eine Finanzanalyse vor. In der Praxis hat sich beim Management von High Yield Portfolios aber das stärker qualitativ ausgerichtete Credit Scoring Modell der Wallrich Wolf Asset Management AG (WWAM) bewährt, welches den Blick nach vorne richtet. Entscheidend ist meistens die Stärke des Geschäftsmodells und nicht die Bilanz.

Europäische Unternehmensanleihen mit einem spekulativen Rating (BB und schlechter) weisen im Schnitt aktuell eine Rendite von rund 3% auf. Damit ist «European Corporate High Yield» auf absoluter Basis nicht länger interessant. Allenfalls noch auf relativer Basis, etwa im Vergleich zu Bundesanleihen oder Immobilien, ist diese Assetklasse in der Breite noch diskussionswürdig. Auf den zweiten Blick ist aber auch festzustellen, dass das aktuelle Makroumfeld gerade diese Assetklasse begünstigt. Zu nennen sind hier die endlich wieder florierende Wirtschaft in Europa, die weiterhin sehr tiefen Zinsen (Stichwort «Anlagenotstand»), die fortgesetzten Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank sowie der gute Zugang zu Finanzierungen für Unternehmen und die nach wie vor sehr niedrigen Ausfallraten, die sich auch 2018 fortsetzen dürften.
Die konstruktive Marktstimmung zeigt sich auch beim sehr geringen Renditeabstand der unterschiedlichen High Yield Ratings. So liegen die Credit Spreads für Single-B und BB-Emissionen aktuell äußerst nah zusammen. Gleichzeitig gelingt es den Emittenten, die Prospekte mehr und mehr zu ihren Gunsten zu gestalten (u.a. schwache Covenants). Noch ist der High Yield Markt zwar ein gutes Stück von der absoluten Sorglosigkeit des Jahres 2007 entfernt, es ist aber festzuhalten, dass die Geldflut der Notenbanken viele Investoren in Risiken treibt, die eigentlich nicht genügend Reward bieten.