Risikomanagement

Herausforderungen im Datenmanagement

Wie kaum ein anderer Basler Standard haben die «Grundsätze für eine effektive Aggregation von Risikodaten und die Risikoberichterstattung» enorme Umsetzungsaktivitäten bei den Banken verursacht. Die in der Praxis als «BCBS 239» abgekürzten Prinzipien sollen die internen Verfahren zur Datenaggregation und die Risikoberichterstattung verbessern. Sie richten sich vorrangig an die global systemrelevanten Banken und sollten bis spätestens Januar 2016 vollständig umgesetzt sein. Verschiedene Umfragen und Erhebungen ergeben, dass die Banken weiterhin mitten in der Umsetzung stecken.

Im Januar 2013 veröffentlichte der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) die «Grundsätze für die effektive Aggregation von Risikodaten und die Risikoberichterstattung» (BCBS 239). Die Vorgaben richten sich an die global systemrelevanten Banken. Bis 2016 sollten diese umgesetzt sein. Auch regional systemrelevante Banken haben diese Auflagen zu befolgen.

Die Grundsätze umfassen 11 Prinzipien. Sie können grob folgenden drei Bereichen zugeordnet werden:
•    Governance und Infrastruktur: 2 Prinzipien
•    Risikodatenaggregation: 4 Prinzipien
•    Risikoberichterstattung: 5 Prinzipien

Es gibt weitere drei Prinzipien, die sich an die Aufsichtsbehörden wenden. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass die Aufseher die Einhaltung bei den Banken regelmäßig überprüfen und bewerten. Es war von Anfang an klar, dass die Einhaltung der Grundsätze eine große Herausforderung darstellt. Nicht nur dass die Investitionen in eine neue Datenarchitektur und Infrastruktur sehr teuer ist. Es ist auch die enorme Komplexität der Aufgabe, die die Umsetzung so herausfordernd macht. Der Ausschuss überwacht über das sogenannte «Risk Data Network» seit 2013 die Einhaltung der Grundsätze. In den Jahren 2013-15 veröffentlichte der Ausschuss drei Berichte. Sie stützten sich im Wesentlichen auf Selbsteinschätzungen der Banken. Der vierte Bericht wurde im März 2017 publiziert. Er setzt auf einen evidenzbasierten Monitoringansatz auf. Im Juli 2016 wurden die Aufsichtsbehörden aufgefordert, einen Fragebogen auszufüllen, um die Fortschritte der Banken bei der Einhaltung der Grundsätze zu beurteilen.

 

Wissenschaft statt Bauchgefühl: Politische Risiken präziser bewerten

Über die Notwendigkeit einer strukturierten und evidenzbasierten Analyse gesellschafticher und politischer Risikofaktoren

Länderrisiko als politisches Risiko: Über die wachsende Bedeutung politischer und gesellschaftlicher Faktoren
Unter dem Eindruck stetig wachsender Komplexität wird großer Aufwand betrieben, um die Kreditwürdigkeit und Stabilität von Staaten oder die Wirtschaftskraft und wirtschaftliche Entwicklung von Regionen zuverlässig zu beurteilen und vorherzusagen. Ziel der Analysen ist dabei zumeist eine quantitative Aussage über zu erwartende Chancen und Risiken, die mit Investitionen in spezifischen regionalen Kontexten einhergehen oder sich als globale Folgen aus regionalen Entwicklungen ergeben können. Regelmäßig rückt hierbei deutlich ins Bewusstsein, dass zunächst «weichen» qualitativen Faktoren eine entscheidende Bedeutung zukommt. Wie zuletzt in der Referendumsentscheidung zum Brexit oder in der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der Vereinigten Staaten äußerst plastisch sichtbar wurde, bestimmen politische und gesellschaftliche Faktoren maßgeblich den Kontext, in dem wirtschaftliches Handeln zukünftig stattfinden wird. Die Stabilität, Flexibilität und Resilienz politischer Systeme und Strukturen wie beispielsweise der EU, die Handlungs- und Durchsetzungsfähigkeit von Regierungen, der Grad außenpolitischer Vernetzung und als Folge auch die nationale und internationale Handels- und Wirtschaftspolitik – all diese für aussagekräftige wirtschaftliche Analysen so zentralen Aspekte unterliegen oftmals scheinbar unberechenbaren sozialen und politischen Prozessen. Aus sogenannter «postfaktischer» Meinungsbildung werden beizeiten über Nacht harte Fakten.

Eine strukturierte Integration solcher qualitativer Faktoren in den Bewertungsprozess stellt Analystinnen und Analysten vor große Herausforderungen. Die empfundene Ohnmacht gegenüber der so bewusst gewordenen Komplexität führt gelegentlich zur Ausklammerung dieser Aspekte aus der Analyse oder zu spontanen intuitiven Grundannahmen, um überhaupt eine Bewertung vornehmen zu können. Die Tatsache, dass durch Medien und zahlreiche Kommentare teilweise zweifelhafter Expertinnen und Experten massenhaft Informationen zu politischen und gesellschaftlichen Prozessen zugänglich sind, trägt weiter zur Verwirrung bei. Schließlich greifen journalistische Quellen und politische Analysen oft selbst auf reflexhafte Annahmen und subjektive Erfahrungen zurück und verstärken somit möglicherweise irreführende Wahrnehmungen.