Risikomanagement

Bilanzpolitik und Kreditrisikoanalyse

Bilanz- oder Jahresabschlusspolitik ist seit jeher eine grosse Störkomponente der Bilanz- und Kreditanalyse, indem sie Jahresabschlussdaten verzerrt und damit Frühwarnindikatoren der Ergebnis- und Finanzanalyse verfälscht. In diesem Aufsatz sollen Hintergründe, Interessenlagen und Strategien näher analysiert und Möglichkeiten der Abschätzung von Wirkungsrichtung und Umfang beleuchtet werden.

Bilanzpolitik ist die Ausnutzung von Wahlrechten und Ermessensspielräumen sowie Auslösung von bestimmten Geschäftsvorfällen (sogenannte Sachverhaltsgestaltungen), um ein gewünschtes Bilanzbild zur Erreichung bestimmter rechtlicher oder wirtschaftlicher Folgen zu erzielen. Diese können sich auf die mögliche Ausschüttungs- oder Bonushöhe, die Einhaltung von Covenants in Kreditverträgen oder die Chancen zur Beschaffung von neuem Eigen- oder Fremdkapital beziehen. Bilanzpolitik ist legal, wobei allerdings die Abgrenzung zwischen zulässigen und unzulässigen Massnahmen fliessend ist. Zwar ändern sich die Bilanzierungsregeln über die Zeit, wobei bilanzpolitische Möglichkeiten auch eingeengt werden. Jedoch finden sich immer wieder neue Formen der Bilanzpolitik. So haben in den letzten Jahren Sachverhaltsgestaltungen zugenommen. Insofern ist die Problematik der Verzerrung des Bilanzbildes heute genauso aktuell wie vor Jahrzehnten. Allerdings ist die Ausgestaltung der Bilanzpolitik sehr uneinheitlich und ebenfalls im Zeitablauf Änderungen unterworfen.

 

Digitale Transformation – Implikationen für die Jahresabschlussanalyse

Einen Tisch online reservieren, die eigenen Fotos in die Cloud hochladen, das nächstgelegene Carsharing Auto spontan für die Anreise zum Familientreffen nutzen bis hin zur Bezahlung über das Smartphone via Gesichtserkennung oder Fingerprint. Die Digitalisierung verändert das Konsumentenverhalten: schnelle unkomplizierte Transaktionen, kurze Reaktionszeiten und dies alles unabhängig von Zeit, Ort und Technologie. Die digitale Transformation fordert ein grundsätzliches Umdenken bzgl. Kundenverhalten, Vertriebswegen und Wertschöpfungsketten. Unternehmen unterschiedlicher Branchen sind gleichermaßen betroffen. Wer die Veränderungserfordernisse ignoriert, riskiert seine Existenz. Prominente Beispiele, wie Quelle oder Kodak, unterstreichen dies exemplarisch. Quelle als ehemals größtes Versandhaus Europas hatte seinerzeit die modernste Versandanlage, die Versanddaten bereits vor rund einem halben Jahrhundert elektronisch verarbeiten konnte. Die dynamischen Entwicklungen des Internetvertriebs seit Ende der 1990er Jahre hat das Unternehmen jedoch zu lange ignoriert und unterschätzt. Kodak hat beispielsweise vor rund 40 Jahren die digitale Kamera entwickelt, letztendlich aber für die strategische Unternehmensausrichtung die Entwicklung ebenfalls nicht ernst genommen.