Kommentar

Fintechs statt Bankenzykliker

Kürzlich hat die US-Notenbank ihre Pläne zum Bilanzabbau bekannt gegeben und die Federal Funds Rate um 0,25 Prozent erhöht. Dies ist der zweite und voraussichtlich auch nicht der letzte Schritt dieser Art in sechs Monaten. Ein zunehmend angespannter Arbeitsmarkt hat Fed-Präsidentin Janet Yellen dazu veranlasst, die geldpolitischen Zügel anzuziehen. Eine Kombination aus Trump-Effekt und normalisierender Geldpolitik führte zu einem Ansturm auf zyklische Finanzwerte – vor allem bei Banken. Die Leidtragenden dieser Entwicklung waren Unternehmen, die sich auf den weltweiten Zahlungsverkehr spezialisiert haben sowie Fintechs.
Bankaktien konnten zuletzt aus gutem Grund zulegen, denn Zinserhöhungen schlagen sich in einer verbesserten Nettozinsmarge nieder. Was Anleger aber hinterfragen sollten ist die Tatsache, dass Fintechs reflationsbedingt ins Hintertreffen geraten sind. In meinen Augen bedarf es eines ausgeglichenen Investmentansatzes, da zyklisches Wachstum in dem einen Bereich nicht zwingend strukturellem Wachstum in einem anderen Bereich widerspricht.

 

Das leise Stupsen in Richtung Zinswende

Gegensätzliche Signale, verwirrende Kommunikation: In diesem Marktkommentar nimmt Lukas Daalder die Äußerungen der europäischen Notenbanker genau unter die Lupe. Robecos Chefanlagestratege kommt zu dem Schluss: Das Ende der lockeren Geldpolitik (Quantitative Easing) rückt näher.

In den letzten Jahren ist es den Notenbanken gelungen, durch den Stil ihrer Verlautbarungen eine Verunsicherung an den Märkten zu verhindern. Die jüngsten Meinungsänderungen in Bezug auf die Geldpolitik lassen allerdings vermuten, dass die Zentralbanken die Marktteilnehmer nun dazu bewegen wollen, sich in Europa allmählich auf ein Ende der Politik des billigen Geldes einzustellen, analysiert Lukas Daalder, Chief Investment Officer von Robeco Investment Solutions. Ein bekanntes Zitat von Alan Greenspan, dem ehemaligen Chef der US-Notenbank Fed, zeigt, dass die Kommunikation der Währungshüter nicht immer einfach ist: «Seitdem ich Notenbanker geworden bin, habe ich gelernt, mit großer Inkohärenz vor mich hin zu murmeln. Wenn meine Äußerungen jemandem übermäßig klar erscheinen, dann hat er sicher missverstanden, was ich gesagt habe.» Wer sich – wie Greenspan es formuliert hat – «übermäßig klar» äußert, kann von früheren Aussagen eingeholt werden. Wer dagegen zu vage bleibt, kann die Marktakteure verunsichern, weil sie dann nicht wissen, was sie zu erwarten haben. Am besten ist deshalb der Mittelweg:Optionen offen halten, sich niemals übermäßig klar äußern und versuchen, die Märkte in die gewünschte Richtung zubewegen. «Diese Strategie wird erfolgreich praktiziert: Veranstaltungen, auf denen Notenbanker zur Geldpolitik Stellung nehmen, sind mittlerweile langweilig. Dass die Fed im laufenden Erhöhungszyklus die Zinsen dreimal anheben und die ersten Schritte zur Rücknahme von Quantitative Easing (QE) bekannt geben konnte, ohne die Renten- oder Aktienmärkte zu sehr zu beunruhigen, ist ein eindeutiger Beweis, dass ihre Kommunikation funktioniert hat», so Daalder. Angesichts dessen kann man sich fragen, was sich in den letzten Wochen diesseits des Atlantiks abgespielt hat: «Was genau versuchen Europas Notenbanker uns mitzuteilen?», fragt Daalder, für den die Hinweise auf ein Ende von Quantitative Easing zunehmen.